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BSW Gruppe im Kreistag Rhein-Sieg · Stand 28.09.2026 · Fassung V06

Aus 217 Millionen wurden 552 Millionen

+155 %teurer

21 Großbauprojekte des Rhein-Sieg-Kreises seit etwa 2010 haben wir anhand öffentlicher Unterlagen geprüft. Die 19 mit belegten Kosten kamen mit 216,7 Mio. € zuerst in die Gremien. Heute stehen sie mit 552,1 Mio. € in den Unterlagen. Das sind 335,4 Mio. € mehr.

Veranschlagt ohne Kostenberechnung. Nachträge geprüft, wenn schon gebaut ist. Über die Gesamtkosten entscheidet der Kreistag fast nie, eine Schlussabrechnung bekommt er nie. Das ist kein Pech. Das hat System.

Jede Zahl mit Dokument und Seite belegt · öffentliche Kreistagsunterlagen 2004–2026 · So wurde gezählt
+130 Mio. €

So stark soll die Kreisumlage bis 2030 steigen. Alle 19 Bürgermeister sagen Nein. Die Baukosten sind nicht der größte Posten im Kreishaushalt, aber der, den der Kreis selbst in der Hand hat.

Was der Kreis selbst sparen kann

Die Rechnung

552,1 Mio. € statt 216,7 Mio. €

So viel kosten 19 der 21 geprüften Großbauprojekte heute – und so viel standen in den Unterlagen, als sie zum ersten Mal auf den Tisch kamen. Die übrigen 2 haben keine Projektkostenzahl.

552,1 Mio. € Gesamtvolumen von 19 der 21 Projekte nach dem letzten belegten Stand. Die ersten Zahlen lagen bei 216,7 Mio. €.
+335,4 Mio. € Mehrkosten insgesamt. 75,7 Mio. € bei gleichem Umfang, 259,7 Mio. € durch Umfang, der erst nach der ersten Zahl dazukam.
37,0 Mio. € selbst gemacht. So viel der Mehrkosten bei gleichem Umfang (+65,1 %) erklären die Baupreise nicht. Auf die Baupreise entfallen 38,7 Mio. €.
24 Monate zu spät im Median. 14 von 19 Projekten mit Terminangaben liegen ein Jahr oder mehr hinter der ersten Planung, das schlimmste 204 Monate.

Woraus die 552,1 Mio. € bestehen

Erste Zahlen 216,7 Mio. €Baupreise (Index) 38,7 Mio. €Mehrkosten über dem Index 37,0 Mio. €Zusätzlicher Umfang nach der ersten Zahl 259,7 Mio. €

Darin stecken zwei Zahlen für noch nicht Gebautes: BK Troisdorf (176,0 Mio. €, grobe Schätzung) und Gefahrenabwehrzentrum (125,0 Mio. €, geplante Verpflichtungsermächtigung). Nicht in der Summe: Teilstandort Windeck-Herchen, Kreisparkhaus (keine Projektkostenzahl). Baupreise nach dem Baupreisindex von Destatis, Rechenweg unter Methode.

Die größten Ausschläge

Steigerung von der ersten Zahl bis zum letzten Stand.

Vorgebirgsschule Alfter
+540,0 %
Berufskolleg Bonn-Duisdorf
+516,7 %
Berufskolleg Troisdorf (Preisstand offen)
+402,9 %
Rettungswache Ruppichteroth
+327,3 %
Gefahrenabwehrzentrum
+323,7 %
Kreishaus Sitzungssäle
+180,0 %
Rettungswache Bornheim
+167,1 %
Rudolf-Dreikurs-Schule
+135,7 %
gleicher Umfang Umfang geändert
Nachträge

Geprüft wird, wenn das Geld schon verbaut ist

Nachträge sind alles, was nach dem Auftrag noch dazukommt. Die eigene Vorschrift des Kreises verlangt, dass sie vor der Ausführung geprüft werden. Das Rechnungsprüfungsamt stellt seit Jahren fest: Sie werden regelmäßig erst vorgelegt, wenn längst gebaut ist.

  • 2021: 124 Vorgänge ungeprüft – 117 davon waren „zum Zeitpunkt der Vorlage … bereits ausgeführt“.
  • Abweichung vom Auftrag: von 5,1 % auf 16,44 % (2019 bis 2021). Der Kreis gehört zu dem Viertel der Kreise mit den höchsten Abweichungen (gpaNRW).
  • Auftragsänderungen laufen „nicht immer über förmliche Nachträge“, das Prüfungsamt wird „teilweise erst nach Auftragserteilung oder gar nicht beteiligt“ (gpaNRW).
  • Jugendhilfezentrum Eitorf: Nachträge teils erst nach 70 % Bezahlung vorgelegt, einer blieb „wegen fehlender Personalressourcen“ ganz ungeprüft. Kreishaus: Eine Beanstandung von 2014 wurde „nicht zeitnah umgesetzt, wodurch … ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist“.
  • Die Verwaltung sieht keinen Handlungsbedarf: Die Strukturen seien „ausreichend“, ein Ausbau des Bauinvestitionscontrollings nicht geplant.
  • Die Kontrolle wird schwächer, nicht stärker: Prüfschwelle 2022 von 15.000 € auf 25.000 € angehoben (andere Kreise: 10.000 €), Prüfungsamt von 11,76 auf 10,9 Stellen. Den Bau- und Vergabeausschuss gibt es seit November 2025 nicht mehr. Damit läuft die Pflicht, ihn über Nachträge ab 100.000 € zu informieren, ins Leere. Die für den 01.10.2026 vorgelegte Neuregelung sieht allgemeine Berichte im Fachausschuss vor, eine Berichtspflicht über Nachträge nicht.

Wer erst prüft, wenn gebaut ist, kann nur noch abnicken, was verbaut und teils schon bezahlt ist. Das ist keine Formalie. Das ist Kontrollverlust über Steuergeld.

Vom Rechnungsprüfungsamt nicht geprüfte Vorgänge je Berichtsjahr
21
2018
19
2019
120
2020
124
2021
31
2022
14
2023
6
2024

Quelle: Jahresprüfungsberichte 2018–2024, allgemeiner Teil (öffentlich). Betroffen „insbesondere“ Kreishaus, BK Hennef, BK Bonn-Duisdorf. Mangel belegt in 8 von 21 Projekten.

Alle Belege in „Muster und Befunde“, Abschnitt 6.6

Mit NotebookLM erstellte Infografik „Baukosten-Explosion im Rhein-Sieg-Kreis“
Podcast · NotebookLM

Wie aus 217 Millionen 552 Millionen wurden

Der Bericht zum Anhören: rund 23 Minuten über Kosten, Termine und die Fehler, die sich wiederholen.

Hinweis: KI-generiert. Skript und Stimmen dieses Podcasts hat das KI-Werkzeug NotebookLM (Google) aus dieser Website erzeugt. Es ist nicht die Aufnahme eines realen Gesprächs und kein Zitat von Personen. Der Podcast vereinfacht und spitzt zu und enthält einzelne Fehler. Wo er vom Bericht abweicht, gilt der Vollbericht. Auch das Titelbild wurde mit NotebookLM erstellt.

Korrekturen zum Podcast
  • Hochwasser und archäologische Funde werden als unvermeidbare Ursachen genannt. Im Bericht kommt kein archäologischer Fund vor. Die Hochwasserlage betraf das Grundstück in Eitorf und wurde erst beim Grunderwerb erkannt; der Bericht wertet das als Planungsmangel. Asbest wurde 2017 im Kreishaus gefunden, nicht im Boden.
  • Vertragsstrafen wegen verzögerter Ausschreibungen sind nicht belegt. Belegt ist, dass bei der Rettungswache Swisttal keine Vertragsstrafe vereinbart war.
  • „100 Millionen Euro“ durch Salamitaktik und „zweistellige Millionenbeträge ohne Vorabkontrolle“ sind keine Zahlen aus dem Bericht. Die 259,7 Mio. € aus Umfangsänderungen sind überwiegend Schätzungen für noch nicht Gebautes, also nicht bereits ausgegeben.
  • Die 37,0 Mio. € sind der Teil der Steigerung, den der Baupreisindex nicht erklärt. Der Bericht ordnet sie nicht betragsgenau einzelnen Ursachen zu.
  • Berufskolleg Troisdorf: 35 Mio. € waren 2016 ein Haushaltsansatz für eine Sanierung, 176 Mio. € sind eine grobe Schätzung für einen Neubau mit Interim und Grunderwerb. Gebaut wird dort noch nicht; die Vergabe ist für 2029 vorgesehen.
  • Das Wort „Salamitaktik“ stammt nicht aus dem Bericht. Gemeint ist Muster 5 („Der Umfang wächst nach dem Beschluss“), nicht Muster 4. Ob niedrige Einstiegszahlen die Zustimmung erleichtern sollten, belegen die Unterlagen nicht.
  • Die ersten Zahlen waren überwiegend Haushaltsansätze und Schätzungen, keine Beschlüsse über Gesamtkosten. Endkosten sind fast nirgends festgestellt; „lückenlos von Anfang bis Ende“ ist deshalb zu viel gesagt.
  • Die Neuregelung der Vergabezuständigkeit ist eine Vorlage für den Kreistag am 01.10.2026 und noch nicht beschlossen.
Gesamtfazit

Die Zahlen im Einzelnen

Wo Basis und letzter Stand dasselbe Bauvorhaben meinen, steht „gleicher Umfang“. Wo das Projekt nach der ersten Zahl gewachsen ist oder ausgetauscht wurde, steht „Umfang geändert“. Beides kostet Geld; nur beim ersten lässt sich der Baupreisindex sauber herausrechnen.

552,1 Mio. €Gesamtvolumen heute
19 von 21 Projekten, letzter belegter Stand. Erste Zahlen: 216,7 Mio. €.
116,3 Mio. € → 192,0 Mio. €9 Projekte mit gleichem Umfang
75,7 Mio. € mehr (+65,1 %).
37,0 Mio. ۟ber dem Baupreisindex
Die Baupreise erklären 38,7 Mio. €. Der Rest ist Planung und Steuerung.
79,8 Mio. € → 339,6 Mio. €7 Projekte mit geändertem Umfang
259,7 Mio. € zusätzlich, überwiegend Schätzungen für noch Ungebautes.
24 MonateVerzug im Median
14 von 19 Projekten mit Terminangaben ein Jahr oder mehr zu spät, das schlimmste 204 Monate.
1Kostenfeststellung
Eine einzige gefunden (RW Swisttal) – und die stammt vom Rechnungsprüfungsamt, nicht von der Verwaltung.

So wurde gezählt

  1. 21Großbauprojekte geprüft, anhand öffentlicher Unterlagen: Hochbau des Kreises über 3 Mio. € seit etwa 2010, als Bauherr, Käufer oder Mieter. Jedes hat einen Steckbrief, auf diese 21 beziehen sich die Mängelzahlen („Mangel belegt in … Projekten“). 17 weitere Kandidaten wurden verworfen (unter 3 Mio. €, vor 2010, kein Bauvorhaben des Kreises oder nicht prüfbar; Anhang A).
  2. 19davon mit belegten Kosten. Sie ergeben die Summe 216,7 Mio. € → 552,1 Mio. €: 9 mit gleichem Umfang, 7 mit geändertem Umfang, 3 mit nur einem Kostenwert, bei denen sich keine Steigerung messen lässt (BK Duisdorf (KP II), Heinrich-Hanselmann-Schule, Richard-Schirrmann-Schule). Ohne Kostenzahl: Teilstandort Windeck-Herchen, Kreisparkhaus.
  3. 19davon mit Terminangaben; 14 davon ein Jahr oder mehr zu spät. Ohne Termin: Gefahrenabwehrzentrum, Kreisparkhaus.

Dass damit alle Großprojekte erfasst sind, lässt sich nicht garantieren. Gesucht wurde in allen Tagesordnungen seit 2004, in den Haushalten und Prüfberichten; die Haushaltspläne 2019/20 und 2021/22 lagen nicht vor. Einzelheiten unter Methode und Grenzen.

Stand 28.09.2026 · Fassung V06. Herleitung und Grenzen unter Methode und Grenzen.

37,0 Mio. €
Mehrkosten allein bei den neun Projekten mit gleichem Umfang, die kein Baupreisindex erklärt. Nicht Corona, nicht der Markt: Planung, Beschluss und Steuerung.
Die Muster

Dieselben Fehler, immer wieder

Kein Einzelfall: Dieselben Mängel ziehen sich durch Schulen, Rettungswachen und Verwaltungsbauten, manche seit über zehn Jahren. Alle Belege unter Muster und Befunde.

1

Beschlossen, ohne zu rechnen

Zehn Projekte kamen ohne Kostenberechnung, ohne Risikozuschlag und ohne Preissteigerung in den Haushalt. Das hat Methode: 2016 standen die Rettungswachen ohne Kostenberechnung im Haushalt, 2019 nannte die Verwaltung ihre Projektsummen „nur ein erster Anhaltspunkt“, 2021 lagen für die Finanzplanung „noch keine Kostenberechnungen, teilweise auch noch keine belastbaren Kostenschätzungen“ vor.

Mangel belegt in 10 von 21 Projekten
2

Über die Gesamtkosten entscheidet der Kreistag nicht

Nur beim Jugendhilfezentrum Eitorf steht ein Gesamtbetrag im Beschluss. Sonst laufen die Millionen über Haushaltsansätze, Änderungslisten, Kenntnisnahmen und Dringlichkeitsentscheidungen.

Mangel belegt in 2, Hinweis in 17 von 21 Projekten
3

Nachträge: Kontrolle erst nach dem Bau

Das Rechnungsprüfungsamt beanstandet seit 2018 jedes Jahr, dass Nachträge erst nach der Ausführung vorgelegt werden. Die Verwaltung hält ihre Strukturen für „ausreichend“.

Mangel belegt in 8 von 21 Projekten
4

Erst die kleine Zahl, dann das große Projekt

7 Projekte wurden nach der ersten Zahl größer oder wechselten das Vorhaben. Aus 79,8 Mio. € wurden 339,6 Mio. €. Wer so plant, hat vor dem Beschluss nicht zu Ende gedacht.

259,7 Mio. € zusätzlich
5

Bedarf behauptet, nicht berechnet

Personalentwicklung, Schülerprognosen und Fallzahlen tauchen in den Vorlagen kaum auf. Einen verbindlichen Flächenmaßstab gibt es nicht; Homeoffice und Desk-Sharing spielen bei den Außenstellen keine Rolle.

Mangel belegt in 3, Hinweis in 11 von 21 Projekten
6

Varianten? Selten verglichen

Sanierung, Neubau, Miete und Kauf werden selten nach § 13 Abs. 1 KomHVO gegeneinander gerechnet. Eine Wertgrenze, ab der der Kreistag einen Vergleich verlangt, gibt es nicht.

Mangel belegt in 3, Hinweis in 10 von 21 Projekten
7

Am Ende keine Abrechnung

Keinem großen abgeschlossenen Projekt folgte eine Kostenfeststellung an den Kreistag. Was das Kreishaus, das BK Hennef oder das JHZ Eitorf am Ende gekostet haben, hat der Kreistag nie erfahren.

Mangel belegt in 2, Hinweis in 15 von 21 Projekten
Kosten und Termine

Die Entwicklung im Bild

Erste Zahl gegenüber dem letzten Stand. Hohe Prozentwerte bei Projekten mit geändertem Umfang messen auch den Umfangwechsel, nicht nur Preissteigerung.

Balkendiagramm der Kostenentwicklung aller Projekte, erster Beschluss gegenüber letztem Stand
Kostenentwicklung aller Projekte. Die Zahlen hat das Auswertungsskript aus den Rohdaten gerechnet.
Zeitstrahl der geplanten und tatsächlichen Fertigstellung aller Projekte
Fertigstellung: erste Planung gegenüber dem aktuellen Stand.

Interaktiv

Nach Projektgruppe filtern, die Balken zeigen die Steigerung gegenüber der ersten Zahl.

Was man der Verwaltung nicht anlasten kann: den Baupreissprung 2021/22, Asbest, Insolvenzen von Baufirmen und die Hochwasserlage. Neue Kostenschätzungen enthalten inzwischen Index und Risikozuschlag, und der Bedarf der Rettungswachen ist sauber aus den Bedarfsplänen abgeleitet. Das haben wir herausgerechnet oder benannt. Was bleibt, ist hausgemacht: Veranschlagung ohne Kostenberechnung, kein Gesamtkostenbeschluss, keine Nachtragskontrolle, kein Abschluss. Zur Einordnung

Nachprüfen statt glauben

Jeder Befund mit Dokument und Seite – im Vollbericht, in den Steckbriefen und in der Mängelmatrix.